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Übersicht - Herausgeber - Paul Ingendaay

Javier Marias, Paul Ingendaay (Hrsg.), Alexander Dobler (Übers.), Catalina Rojas Hauser (Übers.)
Alle unsere frühen Schlachten (Hc.)
Fußball-Stücke
 


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Javier Marías erzählt vom Fußball - von seiner Kindheit, von Zeit und Erinnerung, der hohen Kunst des Spiels, der Niedertracht der Präsidenten und von der Moral eines Sports, der den Spaniern alles bedeutet.

Javier Marías ist vom Fußball besessen, und Real Madrid ist sein Verein.

Seit vielen Jahren schreibt er für verschiedene Zeitungen über Fußball: Glossen, Essays und Polemiken. Er hat die Fußballweltmeisterschaften 1994 und 1998 kommentiert, die spanische Liga begleitet und die Helden des zerbrochenen Tors besungen. Ausgerechnet ihn, den Anhänger des Erzrivalen, bat der FC Barcelona um eine Gratulation zum hundertjährigen Vereinsjubiläum. Marías weiß, warum ein Nationaltrainer weg muß, Glatzen beim Fußball nichts zu suchen haben und Real Madrid wie Hitchcock spielt.

Was auf den ersten Blick wie eine lockere Sammlung von Feuilletons wirkt, zeigt auf den zweiten seine essayistische Geschlossenheit. Das liegt nicht zuletzt an den Motiven, zu denen der Erzähler und Einzelgänger Marías immer wieder zurückkehrt: Kindheit und Aufwachsen, Zeit und Erinnerung, Politik und Gesellschaft, alter Stil gegen neuen Stil, Sitten und Moral, das Kinohafte des Fußballs. Oft ist das fußballerische Tagesereignis nur der Auslöser für einen gesellschaftspolitischen Exkurs. Und ganz sicher hat Marías nirgendwo so ungeschützt autobiographisch geschrieben wie in diesen Fußball-Stücken, die ihn in die Sommer seiner Kindheit und die Verehrung für einen (damals drittklassigen) Provinzverein zurückführen.

Paul Ingendaay, Kulturkorrespondent der FAZ in Madrid und selbst Fußballbegeisterter, hat den Auswahlband gemeinsam mit dem Autor zusammengestellt.

Leseprobe:
Während meiner Kindheit verbrachte meine Familie den Sommer häufig in Soria. Meine Eltern waren zunächst von der Lyrik Machados angezogen worden, von den romanischen Bauwerken in der Gegend und von den kühlen Temperaturen in der sommerlichen Jahreszeit. Es waren Sommer, die drei Monate dauerten, und meine Brüder und ich machten uns immer mit einem Gefühl auf den Weg, als würden wir umziehen - was bedeutet, daß wir unser gesamtes Hab und Gut mitnahmen -, so lang erscheint einem die Zeit, wenn man noch ein Kind ist. Verglichen mit Madrid, wo wir den Rest des Jahres verbrachten, war Soria ein winziger und properer Ort, in dem keine Entfernung zu groß war, um sie zu Fuß zurückzulegen, und der einem das Gefühl von Überschaubarkeit vermittelte. Wir gingen zum Baden an den Fluß Duero, der dort entspringt und in dem wir auch ruderten; wir spielten in dem unter dem Namen La Dehesa bekannten Park, während die Erwachsenen auf der Terrasse des sogenannten El Reglero einen Schluck tranken; in jenem Park gab es einen Musikbaum, um dessen riesigen Stamm sich eine metallene Wendeltreppe wand, über die sonntags die uniformierten Musiker der Kapelle hinaufstiegen, um auf einem in der Baumkrone errichteten Podium zu spielen; vier klassische Abendspaziergänge gab es: zur Burg, zu den Eras, zum Ausguck und nach San Saturio. Vom Ausguck herab konnte man den Fluß sehen, über den sich eine Eisenbahnbrücke mit gekreuzten Balken spannte, von der sich einmal ein glückloser Liebender gestürzt hatte; San Saturio war eine an einem Steilhang gelegene Wallfahrtskapelle, in der einmal ein Eremit gelebt hatte, der Schutzheilige der Stadt, der, wenn ich mich recht entsinne, einmal aus großer Höhe gestürzt und ohne sich ein Haar zu krümmen auf den Felsen gelandet war. (1) Der Ort war geheimnisvoll und düster genug, um Kinder in Entzücken zu versetzen.
Dort begegnete ich einigen der gütigsten Menschen, die ich je kennengelernt habe, insbesondere Don Heliodoro Carpintero und seinen Schwestern Carmen und Mercedes, die in einem bezaubernden Haus wohnten, in dem ich zum ersten Mal wirklich das Lesen für mich entdeckte und unter den gütigen Blicken des pfeiferauchenden Don Heliodoro mit fünfzehn Jahren meinen allerersten Roman schrieb. Die Liso-Schwestern waren Inhaberinnen einer feinen Konditorei, in der meine Brüder und ich viel Zeit damit verbrachten, zu lernen, wie man die Verpackung für ihren ausgezeichneten Butterkuchen faltete. Dann war da noch eine höchst sympathische und leicht verrückte Kindergärtnerin namens Doña Felisa, die gemeinsam mit ihrer Schwester Antoñita um die Kinder herumwieselte, nichts konnte die beiden aus der Ruhe bringen, und alles war unbeschwert. Die Familie Pastor, die Familie Ruiz, die Sáenz, die Páramos, Don Teógenes und Don Oreste - ein italienischer Musiker, der aus wer-weiß-welchem Grund dort gelandet war und meinem Bruder Álvaro Unterricht gab -, sie alle waren zauberhafte Menschen, die verschwenderisch viel Zeit besaßen und in ihrem bescheidenen Provinzleben ein Höchstmaß an Würde und Anstand ausstrahlten. Lächelnde und kein bißchen mürrische Leute, die nichts mit dem Stereotyp des barschen Kastiliers zu tun hatten, zurückhaltende und dabei gutgelaunte und witzige Menschen, wie die junge Celia mit den hellen Augen, die bei den Carpinteros lebte oder der geduldige Herr Vicen Vila, der Platten verkaufte oder der Mathematiklehrer Don Victorino, der mich in jenem Jahr zu ertragen hatte, in dem ich sitzengeblieben war. Es gab drei Kinos, und eines von ihnen diente von Zeit zu Zeit als Theater, und ich weiß noch, wie ich mit meinen Sommerfreunden, von denen ich schon seit Ewigkeiten nichts mehr gehört habe, spielte und mich unzählige Male mit ihnen prügelte: die Brüder Casalduero, die Mazariegos, die Villuendas und Ochotorenas.
Da wir uns bis weit in den September hinein dort aufhielten, sahen wir uns die ersten Meisterschaftsspiele des Lokalmatadors, Numancia, an. Ich besitze einige Fotos, die auf jenem Schotterplatz 1961 aufgenommen wurden, und im Hintergrund kann man das Ergebnis der Begegnung lesen: Numancia 2, Logroñes 0. Meine Erinnerung sagt mir, daß jenes Stadion mit einer einzigen Tribüne an der Längsseite San Juan hieß. Jetzt lese ich, daß es Santa Ana heißt und unter dem Namen Los Pajaritos bekannt ist. Ich weiß nicht, ob es noch dasselbe ist, aber jedenfalls hat es in den letzten Wochen Berühmtheit erlangt. Seit meiner Kindheit habe ich die Gewohnheit montags in der Zeitung nachzusehen, wie Numancia in der dritten Liga oder jetzt in der zweiten B-Liga gespielt hat, eine Gewohnheit, die ich lustigerweise mit einem anderen Schriftsteller, dem Österreicher Peter Handke, teile, der, egal wo er sich befindet, dasselbe tut, wenn er spanische Zeitungen auftreiben kann, wie er in seinem Versuch über die Jukebox gesteht.
So ist Numancia eine ziemlich literarische Mannschaft, vor allem jetzt, wo seine Heldentaten in der Meisterschaft um die Copa del Rey allerorten gerühmt werden. Wenn diese Zeilen erscheinen, wird das Ausscheidungsspiel gegen Barcelona bereits vorüber sein, aber was auch immer beim Rückspiel geschieht in einem Stadion, in das die gesamte Bevölkerung von Soria dreimal hineinpassen würde, jene Mannschaft wird auf der Höhe meiner Kindheitserinnerungen an die Stadt sein, aus der sie stammt: ein bescheidener und sauberer Ort, in dem die Welt noch in Ordnung scheint, mit seinen kalten, klaren Tagen und den wundervollen stillen Landschaften seiner Umgebung, ein Ort, der sich nicht beschwert und über seinen Rückzug von der Welt klagt, voller Sanftheit, und Würde, und Anstand.
(1) Anscheinend habe ich mich hier getäuscht, und der Heilige hat bei seinem Fall jemand anderen gerettet.

Der Autor
Javier Marías, 1951 in Madrid geboren, gilt als einer der interessantesten Schriftsteller des heutigen Spaniens. Er hat bisher zehn Romane, zwei Erzählbände und mehrere Sammelbände mit Essays und Zeitungsartikeln veröffentlicht. Seine Romane wurden in 34 Sprachen übersetzt, erscheinen in 44 Ländern und wurden mit vielen Preisen ausgezeichnet: »Mein Herz so weiß« mit dem Spanischen Kritikerpreis und dem IMPAC Dublin Literary Award; »Morgen in der Schlacht denk an mich« mit dem Rómulo-Gallegos-Literaturpreis, dem Prix Femina étranger und dem Mondello-Preis. Für sein Gesamtwerk wurde er mit dem Nelly-Sachs-Preis geehrt. Weltweit wurden seine Bücher mehr als fünf Millionen mal verkauft.

Der Herausgeber
Der Herausgeber Paul Ingendaay wurde 1961 geboren und war von 1992 bis 1998 Literaturredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Seit Sommer 1998 lebt er als Kulturkorrespondent der FAZ in Madrid.

Klett Cotta Verlag, 2000, 140 S.
18,00 Euro
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